Artikel bewerten
(0 Stimmen)

Was bedeutet BOS und warum wird auf digitalen Funk umgestellt?

bos-sachsenBehörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), ist ein Begriff für Einrichtungen die mit Abwehr von Gefahren vertraut sind. Zu Ihnen zählen: Polizei, Rettungsdienst inkl. Notarzt, Katastrophenschutz, Zivilschutz, andere innere Sicherheiten wie Zollamt oder Bundespolizei und natürlich die Feuerwehr. 

Mehr als 60 Jahre war der Analogfunk Standard in Deutschland. Im Laufe der Jahre wurde aber die Leistungs- und Funktionalitätsgrenze erreicht. Seit mehr als 25 Jahren hält die Digitalisierung der Technik Einzug und ermöglicht weit größer Möglichkeiten als die analoge Technik. 

Wie funktionierte der alte analoge Funk?

Im analogen BOS-Funk wurde durch die Funkrichtlinie geregelt, dass ein reibungsloser und störungsfreier Funkbetrieb aller Organisationen dadurch gewährleistet wird, dass Sie eigene Frequenzzuweisungen erhalten. Das bedeutet, jede BOS betrieb Ihr eigenes Netzt mit eigenen Frequenzen in räumlich begrenzter Reichweite.

Dazu wurde, je nach Anwendung der Analogfunk in drei Bereiche bzw. Bänder unterteilt:

  • 4m Band: Führungsebene bzw. Leitstellenfunk
  • 2m Band: Einsatzstellenfunk
  • 8m und 70cm Band: Richfunkstrecken

Diese geben die Funkwellenllänge an. Innerhalb der 4m und 2m Bänder wurden die Frequenzen im Abstand von 20kHz (Kiloherz) noch in ein Ober- und Unterband unterteilt. In allen Bändern wurde mit Frequenzmodulation gearbeitet, ein Verfahren um den Dynaikumfang der Funkwelle zu erhöhen. Dadurch konnten mehr Informationen übertragen werden, was die Sprachqualität verbessert.

Über Ein- und Ausgabefrequenzen des Funkgerätes, wurden durch Relaisfunkstellen die Wellen weitergeleitet. Diese mussten erhöht im Gelände stehen um die Reichweite bis etwa 15km zu vergrößern. Gesendet wurde dabei auf einer festgelegten Frequenz im Unterband und Empfangen auf der dazugehörigen Frequenz im Oberband. Die Frequenzen waren genau festgelegt und wurden dabei mit Kanalnummern versehen. Mit 4m Bändern arbeiteten die im Einsatzfahrzeug fest installierten Funkgeräte und kommunizierten mit der Leitstelle. Die Handfunkgeräte waren für das 2m Band ausgelegt, obwohl es auch hier Geräte mit 4m Band gab. Nachfolgende Tabelle, soll einen kleinen Überblick über die verwendeten Frequenzen mit den dazugehörigen Kanälen geben.

 70cm Band2m Band4m Band8m Band
Unterband MHz 443,6000 - 444,9625 165,210 - 169,380 74,215 - 77,475 34,36 - 35,80
Oberband Mhz 448,6000 - 449,9625 169,810 - 173,980  84,015 - 87,255 38,46 - 39,84
Kanäle 690 - 799 100 - 125 , 201 - 292 347 - 510 801 - 873

Wie funktioniert die neue digitale Funktechnik?

Alle im BOS befindlichen Organisationen benutzen ein einheitliches und flächendeckendes Funknetz. Dadurch wird es möglich, in gewissen Situationen behördenübergreifend zu Kommunizieren und dies ermöglicht eine neue Form der Zusammenarbeit und bessere Einsatzorganisation bzw. -steuerung.

Wie im Analogfunk auch, sind hier Relaisstationen erforderlich, die aber Basisstationen genannt werden. Um ein flächendeckendes Netz aufzubauen, bedarf es aber nicht nur tausender Basisstationen. Über eine Netzsteuerung wird die Vernetzung der Basisstationen geregelt, wodurch erst die bundesweite Kommunikation ermöglicht wird. Die Basisstation, an der das Funksignal eines Gerätes am stärksten anliegt, regelt dann den Zugang zum Netz. Wenn nun der begrenzte Empfangsbereich einer Basisstation verlassen wird, übernimmt das Netz automatisch die Weiterleitung zur nächsten Basisstation. Es ist also nicht mehr notwendig die einzelnen Frequenzen oder Kanäle der Stationen zu kennen, vielmehr wählt man nun einmalig eine Gruppe.

Im Digitalfunk werden Hand- und Fahrzeugfunkgeräte verwendet, die alle im selben Netzt arbeiten. Die Unterscheidung in 2m oder 4m Band gibt es nicht mehr. Jedes Gerät das im Netz betrieben wird, besitzt eine Kennung - ähnlich einer Handynummer. Dadurch wird ermöglich, dass nur berechtigte Funkgeräte Zugang zum Netz haben. 

Handfunkgerät Fahrzeugfunkgerät
   Handsprechfunkgerät     Fahrzeugfunkgerät

Das Digitalfunknetz wird von allen BOS gemeinsam genutzt, was wiederum Kosten spart und die Zusammenarbeit erhöht. Jede BOS hat aber ihre eigenen Gruppen, so kann ein Rettungsdienst nicht den Feuerwehrfunk mithören oder andersrum. Durch das gemeinsame Netz wird es aber Möglich, in Großeinsätzen mit der Zusammenschaltung von Gruppen durch die Leitstelle, dynamische Rufgruppen zu bilden. Somit können alle BOS einfacher zusammenarbeiten. Ein weiterer Vorteil ist, dass einzelne Geräte gezielt gerufen werden können.

Die Kommunikation wird grundlegend in zwei Betriebsarten unterteilt. Die Betriebsart Trunked-Mode-Operation (TMO) wird auch Netzmodus genannt und ist mit dem 4m Band vergleichbar. Hier läuft größtenteils der bundesweite Funkverkehr oder der Leitstellenfunk über die Basisstationen ab. In dem Direkt-Mode-Operation (DMO) Betrieb, wird der Funkverkehr allein unter den Funkgeräten geregelt, ohne eine Verbindung zur Basisstation aufzubauen. Dadurch wird es möglich in einem örtlich begrenzten Raum von ca. 3 - 5 km zu kommunizieren. Die Reichweite hängt jedoch stark von physikalischen Faktoren, wie Sendeleistung, topografische Gegebenheiten, Bebauung, usw. ab. Über die Repeaterfunktion (Relaisfunktion) eines Funkgerätes, lässt sich die Reichweite jedoch stark erhöhen.

DMO-Modus Tmo-Modus
   Funksignal von zwei Handfunkgeräten im DMO-Modus     Schematische Darstellung im TMO-Modus

Mit dem Digitalfunk wird eine Notruffunktion eingeführt. Diese erlaubt es, im Notfall eine Meldung von einem Gerät abzusetzen. Nach der Auslösung werden bestehende Gespräche in der Gruppe getrennt und es ist für ca. 20 Sekunden ein Freisprechen in der Gruppe möglich. Auf jedem Teilnehmerfunkgerät wird dann der Notruf-Absender sichtbar und hörbar. Die Leitstelle kann nun zusätzlich, über GPS Koordinaten genaue Informationen zum Standort abrufen.

Direkter Vergleich von Analog- und Digitalfunk

 AnalogfunkDigitalfunk
Netzabdeckung Jede Behörde benutzt ihr eigenes Netz mit Frequenzen in begrenzter Reichweite. Jede Behörde benutzt ein einheitliches, flächendeckendes Funknetz.
Abhörsicherheit

Der analoge Funk ist nicht abhörsicher.

Durch den Tetra-Standard ist schon eine grundlegende Verschlüsselung gewährleistet. Diese schützt zwar die Übertragungsstrecke zwischen Endgerät und Basisstation, jedoch nicht die dahinter liegende Netzinfrastruktur. Deshalb setzt der digitale Funk noch durch eine spezielle Softwareverschlüsselung - die sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Sollten Geräte anhanden kommen, können diese gezielt für die Teilnahme am Funkverkehr gesperrt werden.
Kommunikation Eine Teilnehmerbeschränkung ist nicht möglich. Jeder Teilnehmer eines Funkkanals können sämtliche Gespräche mithören. Des weiteren ist das Zusammenschalten mehrerer Benutzergruppen/Kanäle nicht möglich. Es wird möglich, gezielt mit einem Teilnehmer/Funkgerät zu kommunizieren, da jedes eine individuelle Funkadresse besitzt. Im Fall eines Großeinsatzes ist es möglich mehrere Gruppen zusammen zuschalten.
Kapazität Jeder Kanal beansprucht ununterbrochen eine eigene Frequenz, auch wenn diese nicht benutzt werden. Im Beispiel einer Großschadenslage kann diese dann nicht von anderen Bedarfsträgern genutzt werden. Die Funkgruppen sind nur dann belegt, wenn diese genutzt werden.
Qualität Im Analogfunk ist die Sprachqualität teilweise sehr schlecht. Dies drückt sich insbesondere durch das charakteristische "Rauschen" aus. Der neue Funk bietet eine deutlich bessere Qualität. Nebengeräusche wie Straßen- und Maschinenlärm oder störende Geräusche am Einsatzort werden durch die Vocoder-Funktion herausgefiltert.
Datenübertragung Es ist keine oder nur eine sehr eingeschränkte Datenübertragung möglich. Der Digitalfunk ermöglicht die Übertragung von Daten, wie Bilder und Texte, ähnlich einer SMS. 
Telefonbetrieb Diese Funktion ist im analogen Funk nicht gegeben. Sofern ein Funkgerät autorisiert ist, sind Gespräche aus dem Funknetz in das Telefonnetz möglich. 
Notruftaste Die Funkgeräte besitzen keine Notruftaste. Mit der Notruftaste wird eine Sprechverbindung mit Vorrang, für 30 Sekunden an alle Teilnehmer hergestellt. Der Funkverkehr wird für diese Zeit unterbrochen. Dadurch können im Notfall sofortige Meldungen weitergegeben werden.
Entwicklung Der Analogfunk wird nicht mehr weiterentwickelt. Im Digitalfunk wird es in Zukunft Aktualisierungen und Innovationen geben.